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Osterbräuche in Sachsen

Zahlreiche Bräuche haben sich zu Ostern aus der christlichen oder heidnischen Tradition heraus entwickelt. Am bekanntesten sind wohl das Bemalen und Verstecken von Eiern oder das Entzünden des Osterfeuers. Aber auch Ostereierschieben und das Holen des Osterwassers sind beliebte Brauchtümer.

Nahaufnahme farbenfroher Ostereier mit aufwendig gearbeiteten Muster.
Filigrane Verzierungen und Bemalungen traditioneller sorbischer Ostereier.  © dpa - Bildfunk

Eier haben in vielen Kulturen eine symbolische Bedeutung als Frühlings‑ und Fruchtbarkeitssymbol. Zudem gilt es als Lebenssymbol für die Auferstehung Jesus Christus. Als »rotes Ei« wurde es zum Zeichen für den auferstandenen Christus und für sein Blut und damit auch zum Bestandteil des Osterbrauchtums. Seit dem 12. und 13. Jahrhundert ist dieser Brauch in Deutschland und vor allem bei den Sorben in der Lausitz, im Spreewald, in Sachsen und Brandenburg erhalten geblieben und ausgeweitet worden.

Nach der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern, in der viele Katholiken und Orthodoxe auf Fleischspeisen und auch auf Eier verzichten, empfing man diese zum Osterfest mit Freude zurück, ließ sie in den Kirchen weihen und verteilte sie gefärbt zu Geschenken.

Erst ab dem 17. Jahrhundert wurden Eier in anderen Farben bemalt, kunstvoll verziert und mit christlichen Symbolen versehen. Es wurden auch Zettel mit guten Wünschen in die ausgeblasenen Eier gelegt. Inzwischen werden die nach sorbischer Tradition zum Kuchenbacken ausgeblasenen und dann bemalten Ostereier in ganz Deutschland an Zweige gehängt, wobei inzwischen auch bunte Plastikeier verwendet werden.

Am Morgen des Ostersonntags dürfen die Kinder versteckte Ostereier suchen. Eine erste Erwähnung dieses Brauches stammt aus dem Tagebuch des Abtes Jakob vom Kloster Schuttern (Ortenaukreis) des Jahres 1691. Je nach Region wurde dabei erzählt, dass diese Eier vom Hahn, dem Kuckuck, dem Fuchs, dem Storch oder dem Hasen stammen. In neuerer Zeit hat sich der Osterhase als Eierbringer überregional durchgesetzt.

Die Silhouetten der Dorfbewohner sind hinter dem großes Osterfeuer erkennbar.
Heute ist das Osterfeuer auch ein Anlass für eine gemütliche Zusammenkunft mit Freunden und Nachbarn aus der Gemeinde.  © dpa – Bildfunk

Bereits im Altertum war das Feuer heilig. Mit Frühlingsfeuern wurde in heidnischer Zeit die Sonne begrüßt, die als Mittelpunkt des Lebens galt. Dieser Kult sollte Fruchtbarkeit, Wachstum und die Ernte sichern. Die Bedeutung der Frühlingsfeuer wurde im 8. Jahrhundert in Frankreich auf den christlichen Glauben übertragen. Der Sieg über den Winter und das Erwachen nach einer langen kalten Zeit wurden auf die Auferstehung Jesus Christus übertragen, der als Licht die Finsternis erhellt und für das ewige Leben steht.

Die Entzündung des heiligen Osterfeuers ist ein zentrales Ereignis für die Christen. Das Feuer wird am Samstag vor Ostern vor der Kirche entfacht und geweiht. Daran wird die Osterkerze entzündet, die in die noch dunkle Kirche getragen wird. Als altes Brauchtum wird heute noch in zahlreichen Regionen am Abend des Ostersonntags Holz, Reisig oder ähnliches Brennbares gesammelt und zum großen Osterfeuer aufgeschichtet, welches wiederum mit der Osterkerze entzündet wird. Mancherorts werden auch Wagenräder mit Stroh umwickelt, angezündet und bergab rollen gelassen.

Drei Mädchen stehen mit Schöpfkrügen am glitzernden Fluss.
Das Osterwasser wird schweigend von jungen Mädchen am Ostersonntagmorgen geschöpft.  © dpa

Der Ursprung des Osterwassers liegt in heidnischer Zeit. Das Wasser gilt als Ursymbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. In den Jahrhunderten nach Christus wurde es als Symbol für das Leben mit Ostern in Zusammenhang gebracht. So wurde schon seit dem 2. Jahrhundert das Taufwasser nur zwei Mal im Jahr geweiht, nämlich in den Nachtfeiern von Ostern und Pfingsten. Das gesegnete Wasser gilt als besonders wirksam und wird gern auch nach Hause mitgenommen, um denen, die nicht in der Kirche dabei waren, den Segen zu geben.

Nach dem Volksbrauch muss das Osterwasser in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang aus einem Bach oder Brunnen geschöpft und schweigend nach Hause getragen werden. Es soll ein ganzes Jahr lang Jugend und Schönheit bewahren, Krankheiten heilen und Unglück abhalten. Um es vor Krankheit zu schützen trieben die Menschen sogar ihr Vieh am Ostermorgen in die Bäche. Da das Osterwasser ein Symbol der Fruchtbarkeit ist, schöpfen die jungen Mädchen schweigend Wasser gegen den fließenden Strom. Damit das Wasser seine Segens- und Heilkraft behält, darf das Schweigen nicht gebrochen werden. Weder auf dem Heimweg, noch zu Hause darf ein Tropfen davon verschüttet werden. In einigen Regionen Deutschlands wird noch heute der Dorfbrunnen mit Osterschmuck behängt.

Menschen beim Eierschieben an einem Hang.
Das Ostereierschieben auf dem Protschenberg in Bautzen.  © Dörte Bleul

Jedes Jahr zum Ostersonntag zieht es viele Menschen, aber vor allem Kinder, an den Protschenberg am Bautz’ner Stadtrand zum beliebten Ostereierschieben.

Das »Eierschieben« in Bautzen wurde als »Eierrollen« schon um 1550 das erste Mal erwähnt. Ursprünglich ließen die wohlhabenden Kinder Eier und andere Gegenstände, welche dann von Kindern armer Familien aufgefangen wurden, den Hang herabrollen. Später wurden dann zu den (hartgekochten) Eiern auch Nüsse, Äpfel, Apfelsinen, Gebäck oder andere halbwegs runde Gegenstände den Berg hinunter gerollt und von einer großen Kinderschar mit viel Geschick aufgefangen. Was die Kinder sich einmal in ihre Sammeltasche gesteckt hatten, durften sie behalten. Heute werden bunte Plastikbälle den Berg hinunter gerollt, die dann gegen Preise eingetauscht werden können. Der sogenannte Eierjokel, der historisch betrachtet ein Straßenhändler in zerrissener Kleidung war, begleitet als Moderator und Spielleiter das Treiben auf dem Protschenberg.

In einer abgewandelten Form ließen Kinder Eier den Hang hinunter rollen und kürten denjenigen zum Gewinner, dessen Eier unversehrt blieben, die weiteste Strecke zurücklegten oder wer am Schluss die meisten unzerbrochenen Eier hatte.

Nach dem Krieg, um 1950 fand das Eierschieben wieder statt, wurde aber in den folgenden Jahren aus den verschiedensten Gründen, zum Beispiel aufgrund von Lebensmittelknappheit, eingestellt. Seit 2001 ist der Brauch in Bautzen nun wiederbelebt und gehört zu einer der größten Touristenattraktionen während der Osterfeiertage.

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