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Timo Leukefeld

Intelligent verschwenden – neue Wege im Umgang mit Energie

Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld ist Experte für das Thema »Wohnen der Zukunft«. Mit seinem Unternehmen »Timo Leukefeld – Energie verbindet« zeigt er Wege in die Energieautarkie. Sein Anspruch: vollständige Unabhängigkeit von Energieversorgern.

Seine Konzepte bauen auf den kostenfreien, krisensicheren und alternativen »Rohstoff« Sonne zur Eigenversorgung mit Wärme, Strom und Mobilität.

Foto: Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld

Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld
(© Fa. Timo Leukefeld)

Vollständige Unabhängigkeit von Energieversorgern, klingt utopisch – wie weit sind wir auf dem Weg dorthin?

Seit 2009 leite ich eine Projektgruppe der HELMA Eigenheimbau AG, die ein energieautarkes Haus auf den Markt gebracht hat. Dieses Haus ist bezahlbar und tatsächlich energieautark – damit unterscheidet es sich von allem, was es in Europa bislang gab. Es versorgt sich selbst mit Wärme und Strom aus der Sonne. Zusätzlich erzeugt es in etwa zehn Monaten des Jahres so viel Solarstrom, dass seine Bewohner sogar ein elektrisches Auto damit fahren können.

Sie betonen, dass dieses Haus »tatsächlich« energieautark ist. Was genau bedeutet das?

Das energieautarke Haus kann vollständig ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz auskommen. Um dies zu erreichen, nutzt das Haus zum Heizen die solare Wärme direkt – ohne Umwandlung in Strom. Die über Kollektoren gesammelte solare Wärme nimmt das Haus in einem Langzeitwärmespeicher mit in den Winter. Der Strom, den das Haus über die zusätzliche Photovoltaikanlage erzeugt, dient ausschließlich zum Betrieb der Haushaltsgeräte und des Elektroautos. Der Strom wird sogleich verbraucht oder in einem eigenen Elektrospeicher zwischengelagert – damit entfallen sämtliche mit der Einspeisung ins öffentliche Stromnetz anfallenden Probleme der Überbelastung. Das meine ich mit »tatsächlicher« Energieautarkie.

Das energieautarke Haus kann vollständig ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz auskommen.

Das energieautarke Haus kann vollständig ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz auskommen.
(© Fa. Timo Leukefeld)

Ist dies auch die Voraussetzung Ihres Mottos: »intelligent verschwenden«?

Richtig, die Sonne scheint im Überfluss, krisensicher und kostenfrei. Mein Ziel ist es, wegzukommen von dem Verbrauch endlicher Ressourcen und stattdessen eine zukünftige Kultur des Gebrauchens zu pflegen. Es ist intelligent, Sonnenenergie so effizient wie möglich zu nutzen: zum einen ihre Wärme – direkt über eine solarthermische Anlage. Zum anderen über Photovoltaik ihre Energie in Strom zu verwandeln. Statt ausschließlich auf  Energiesparen zu setzen, nutzen wir, was uns natürlich, langfristig und nachhaltig zur Verfügung steht. Vor allem mit Blick auf die Zukunft, die uns immer höhere Energiekosten bescheren wird, brauchen wir weder auf Heizungswärme noch auf Strom oder Mobilität zu verzichten oder uns einzuschränken.

Mit Ihrer Firma »Energie verbindet« stellen Sie dieses Wissen zur Verfügung?

Ja, unbedingt. Meist wissen Bauherren ziemlich genau, was sie haben möchten. Ich stelle jedoch immer wieder fest, dass sie selten wissen, was sie alles haben könnten. Vor allem, wenn es um kluge Energiekonzepte geht. Angesichts der Flut technischer Lösungen und Kombinationsmöglichkeiten, ganz zu Schweigen von Gesetzen und Fördermöglichkeiten im Zusammenhang mit neuen Energiekonzepten, ist das nur allzu verständlich. Hinzu kommt, dass Bauherren zumeist von Produktvertretern beraten werden. Im besten Falle kauft der Bauherr ein einzelnes gutes Produkt. Fraglich bleibt, wie es sich im Zusammenspiel mit anderen Komponenten verhält. Im schlimmsten Fall passt nichts zusammen, spart weder Energie noch Geld, sondern entpuppt sich als Fehlinvestition.

Wie helfen Sie Bauherren aus diesem Dilemma?

Ich berate angepasst an das Objekt und das Budget, vor allem aber produktunabhängig und objektiv. Bauherren finden so direkt die für sie passenden energetisch nachhaltigen Lösungen. Sie können die Gewissheit haben, dass zum einen alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind und zum anderen der Budgetrahmen effizient genutzt ist. Der Bauherr erreicht die größtmögliche Unabhängigkeit, sowohl von Produktanbietern als auch – und wichtiger noch – von Energiepreisen.

Als Professor für Solarthermie ist Energieversorgung das zentrale Thema Ihrer Vorlesung. Worüber sprechen Sie in Ihren Vorträgen?

Wie werden wir in Zukunft energetisch wohnen – dieses Thema geht jeden etwas an: Wir alle wollen es warm haben, brauchen Strom und möchten auch in Zukunft mobil sein. In meinen Vorträgen bringe ich meine Erfahrungen als Handwerker, als planender Ingenieur sowie als Wissenschaftler ein. So beleuchte ich diese Fragen von verschiedenen Seiten. Ich eröffne einen neuen Blick und stelle sie in einen größeren Zusammenhang. Diese Sichtweise, meine Interaktion mit den Zuhörern und meine ehrliche Begeisterung für die Sache begeistern letztlich auch das Publikum. Von meinem Großvater, der ein bedeutender Puppenspieler war, habe ich die Passion geerbt, mit den Menschen tatsächlich in Kontakt zu sein.

Wenn Energieautarkie keine Zukunftsmusik mehr ist, sondern aktuelle Realität: Was sind Ihre Visionen?

Unser Konzept umfasst derzeit Wärme, Strom und Mobilität. Zukünftig werden wir Kühlung, Lüftung und Wasserversorgung mit einbeziehen. Immer mit dem Ziel der Selbstversorgung und tatsächlichen Unabhängigkeit. Da Millionen Bestandsgebäude energetisch gesprochen noch im Altertum stecken, sind wir dabei unsere Konzepte auf Altbauten auszuweiten.

Stand: Januar 2013