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Thorsten Urbaneck

Kühler Kopf

Dr. Thorsten Urbaneck ist Bereichsleiter Thermische Energiespeicher an der Professur Technische Thermodynamik der TU Chemnitz. Er hat das erste System zur oberirdischen Kurzzeit-Großkältespeicherung Deutschlands mit entwickelt. Das vorgestellte Projekt hat beim Durchbruch dieser Technologie geholfen und dazu beigetragen, dass die Speicherforschung und -entwicklung an der TU Chemnitz weiter ausgebaut werden konnte. Die Arbeiten im Bereich großer Speicher stoßen auf nationales und internationales Interesse.

Foto: Thorsten Urbaneck

Deutschlands erster oberirdischer Kurzzeit-Großkältespeicher ist in Betrieb gegangen – die Stadtwerke Chemnitz und die TU Chemnitz arbeiten dabei Hand in Hand.
(© Mario Steinebach/TU Chemnitz)

Mit welchem Problem beschäftigen Sie sich?

Das wohl populärste Projekt zurzeit ist der erste oberirdische Kurzzeit-Großkältespeicher Deutschlands, den wir mit der Stadtwerke Chemnitz AG entwickelt haben. Das Problem, vor dem wir standen, war folgendes: Das Fernkältesystem der Stadt Chemnitz – ein Rohrsystem, in dem fünf Grad kaltes Wasser fließt – ist zu normalen Zeiten nur teilweise ausgelastet. Im Sommer, wenn die Temperaturen bei über 30 Grad Celsius liegen, muss das System Höchstleistungen bringen. Die Lastspitzen tagsüber haben die Maschinen an ihre Grenzen gebracht, weil immer mehr Kälteabnehmer an das Netz angeschlossen werden.

Wie heißt Ihre Lösung?

Ein Tank von 19 Metern Höhe und 16,5 Metern Durchmesser speichert das kühle Wasser und kann Abnehmer, wie Oper, Museum oder Kaufhaus, zu Spitzenlastzeiten fünf Stunden lang mit Kälte versorgen. Der Speicher fasst bis zu 3.500 Kubikmeter Wasser. Unser Projektteam hat die Machbarkeit sowie viele technische Details wie Strömungsverhältnisse und das thermische Verhalten im Kältespeicher berechnet.

Wie sind sie darauf gekommen?

Das war im heißen Sommer 2003. Da waren die Probleme in ganz Europa extrem. In manchen Ländern sind mehr Menschen gestorben, weil die Krankenhäuser keine optimale Kälteversorgung mehr hatten. Außerdem finde ich Fernkältesysteme aus mehreren Gründen interessant: Der Platzbedarf im Gebäude ist gering, es müssen keine Geräte an die Fassade angebracht werden, es gibt keinen Maschinenlärm. Wartungen und aufwändige Bedienung von Geräten fallen nicht an.

Welche Vorteile hat das von Ihnen entwickelte System?

Der gedämmte Kältespeicher wird nachts mit Hilfe überschüssiger Wärme aus dem Kraftwerk Nord durch Absorptionskältemaschinen aufgeladen. Damit nutzen wir zum einen die sowieso vorhandene Wärme und sparen zum anderen Stromkosten, die beim Herunterkühlen des Wassers entstehen würden. Unser System ist wirtschaftlich und umweltfreundlich.

Sind Sie mit den Forschungsbedingungen an der TU Chemnitz zufrieden?

Die  Bedingungen sind spitze. Da denke ich vor allem an die IT-Infrastruktur und die gut ausgestattete Bibliothek. Optimal ist aber auch die Förderung durch die Bundesministerien für Umwelt sowie Wirtschaft und Technologie.

Stand: Mai 2013

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