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Jens Mühlstedt

Der fiktive Mensch

Dr.-Ing. Jens Mühlstedt arbeitet seit 2006 an der Professur Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Chemnitz. Dort leitet er das Forschungsgebiet »Digitale Menschmodelle«. Für seine Arbeiten hat er schon einen Förderpreis erhalten.

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Dr.-Ing. Jens Mühlstedt studierte Maschinenbau und arbeitet seit 2006 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Chemnitz. 2012 promovierte er.
(© www.esszett.com)

Jens Mühlstedt Das digitale Menschmodell »Jack« mit Prof. Dr. Birgit Spanner-Ulmer und Jens Mühlstedt Die Arbeitswissenschaftler Jens Mühlstedt und Dr. Holger Unger (v.l.) evaluieren die Wirkung der im Rahmen von Mühlstedts Diplomarbeit entwickelten Info- und Warnsignale im Automobil. Eine Testperson füllt einen speziell für diese Untersuchung entwickelten Fragebogen aus.

Was sind digitale Menschmodelle?

Genau genommen sind das Teile von Programmen, mit denen unter anderem Bauteile oder Maschinen digital entworfen werden. Es sind 3D-Modelle von Menschen, mit denen verschiedene Analysen und Simulationen durchgeführt werden können. Sie dienen der ergonomischen Produkt- und Prozessgestaltung.

Wo werden sie konkret eingesetzt?

Angenommen, ein Autohersteller hat ein digitales, dreidimensionales Modell eines neuen Autos. Mit den Menschmodellen kann er nun testen, ob sein Auto optimal auf die Insassen eingestellt ist: Sieht der Fahrer alle Anzeigen? Erreicht er alle Schalter und Pedale? Der Hersteller kann so zum Beispiel Menschen verschiedener Nationalitäten mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen Probe sitzen lassen. Ähnlich lassen sich auch am Rechner entworfene Arbeitsplätze optimieren.

Sie wollen die Handhabung dieser Modelle verbessern. Wie gehen Sie das Problem an?

Ich habe in erster Linie bei den Nutzern der Menschmodelle angesetzt und eine Befragung unter 59 Anwendern durchgeführt. Meist sind das Experten in den Entwicklungsabteilungen. Unter dem Strich kam heraus, dass vor allem die Bewegungssimulation zu viel Zeit in Anspruch nimmt und auch bei den Analysemethoden ein großer Weiterentwicklungsbedarf gesehen wird. Unsere Forschungen zielen momentan darauf ab, die Systeme weiterzuentwickeln und zu vereinfachen. Dadurch soll letztendlich der Anwenderkreis vergrößert werden.

Für Ihre Diplomarbeit zeichnete Volkswagen Sachsen Sie 2007 mit einem Förderpreis aus. Worum dreht sich die Arbeit?

Das Thema hieß »Akustische Informationen bei der Mensch-Maschine-Interaktion«. Ich habe Informations- und Warnsignale analysiert, die von Fahrerassistenzsystemen, Einparkhilfen oder anderen Fahrzeugkomponenten erzeugt werden. Dafür habe ich Signale von 20 ausgewählten Fahrzeugen nach Klangästhetik und Informationsgehalt untersucht und von Testpersonen bewerten lassen. Das Ergebnis: Ein Prototyp mit komplett neuen Schallsignalen.

Was ist konkret neu?

Das Problem bisher: Häufig stimmt die beabsichtigte Aussage eines Schallsignals nicht mit der akustischen Gestaltung überein und unter Umständen kann das zu Fehlinterpretationen führen. Deswegen stellen meine akustischen Signale reale Ereignisse oder Handlungen nach. Zum Beispiel ähnelt ein von mir entworfenes Signal dem Klangbild des Rausziehens eines Gurtes und dem Einrasten in den Haltemechanismus. Der Fahrer erhält dadurch eine klare Information, wie das Signal zu deuten ist.

Stand: Mai 2013

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