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Peggy Szymenderski

Emotionen auf der Spur

Schwer verletzte Menschen, Entführungen, Überfälle – Polizisten sind in ihrem Berufsalltag oftmals mit existenziellen Situationen konfrontiert. Doch wie gehen die Ordnungshüter mit den Anforderungen und Gefahren ihres Berufes um? Dieser bisher kaum erforschten Frage geht die 30-jährige Diplom-Soziologin Peggy Szymenderski nach. Ihre Dissertation zur Gefühlswelt von Polizisten soll auch dabei helfen, die Arbeitsbedingungen für die Beamten zu verbessern.

Kein Verhör, sondern ein Interview, bei dem die Soziologin die Fragen stellt: Peggy Szymenderski geht den Emotionen von Polizisten auf den Grund.

Kein Verhör, sondern ein Interview, bei dem die Soziologin die Fragen stellt: Peggy Szymenderski geht den Emotionen von Polizisten auf den Grund.
(© Wolfgang Schmidt)

Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Ursprünglich wollte ich Gefühle und emotionale Prozesse im Spannungsfeld Familie und Erwerbstätigkeit untersuchen. Mein Doktorvater in Chemnitz hat mir geraten, mich dabei auf eine bestimmte Berufsgruppe zu konzentrieren. Die Polizisten lagen dann recht nahe, da meine Eltern beide bei der Polizei sind. Dadurch hatte ich natürlich einen guten Zugang zu dem Thema.

Was ist das Spannende an dem Forschungsfeld?
Interessant ist vor allem die Problematik, dass Emotionen in der bürokratischen Organisation Polizei eigentlich wenig Platz haben. Trotzdem sind Gefühle in der täglichen Arbeit allgegenwärtig und unerlässlich. Dadurch sind konfliktträchtige Situationen natürlich vorprogrammiert.

Wie sind Sie bei Ihrer Untersuchung vorgegangen?
Zunächst habe ich mein Vorhaben bei der Personalabteilung und bei der Gewerkschaft der Polizei vorgestellt, um freiwillige Teilnehmer für die Studie zu finden. Insgesamt haben sich 17 Frauen und 25 Männer gemeldet, die ich dann zu ihrer Tätigkeit interviewt habe. Dabei wollte ich wissen, welche emotionalen Anforderungen ihnen bei ihrer Arbeit begegnen, welche konkreten Situationen oder Erlebnisse sie als besonders belastend empfunden haben und ob sich berufliche Stimmungen auch auf das Privatleben der Befragten übertragen. Ziel der Untersuchung ist, Formen des Umgangs mit emotionalen Anforderungen bei der Polizeiarbeit herauszuarbeiten. Lassen sich dabei bestimmte Typen erkennen? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Und so weiter.

Gibt es schon erste Ergebnisse?
Die Auswertungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber Folgendes kann man schon sagen: Es gibt drei Gruppen von »Umgangstypen«. Erstens diejenigen, denen emotionale Situationen scheinbar wenig ausmachen. Sie machen ihre Arbeit einfach weiter, ohne sich viel mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Erstaunlich ist hier, dass dies kein typisch männliches Handlungsmuster zu sein scheint. Zweitens gibt es die Gruppe derjenigen mit stabilen und funktionalen Umgangsweisen. Dazu zählen beispielsweise die »Verlagerer«, denen die Familie als Rückzugsraum und Ausgleichspunkt dient. Überraschenderweise sind das eher Männer als Frauen. Oder auch die »Abwehrer«, die versuchen, sich durch eine »dicke Haut« vor Empfindungen wie Mitleid zu schützen. Zu ihnen gehören aber auch die »Ausbalancierer«, die in der Lage sind, je nach Arbeitsgegenstand und in Abhängigkeit der eigenen Belastbarkeit, ihre Emotionen flexibel und situativ im Arbeitsprozess einzusetzen. Und schließlich gibt es diejenigen, die mit ihren Emotionen und Erlebnissen eher überfordert, teilweise sogar traumatisiert sind.

Welches Feedback haben Sie bisher bekommen?
Viele meiner Interviewpartner haben sich gefreut, dass sich endlich einmal jemand mit dem Thema Emotionen bei der Polizei befasst. Das war für die meisten auch der Grund, an der Studie teilzunehmen. Die allgemeine Reaktion zeigt, dass es vielen Polizisten ein großes Bedürfnis ist, nicht nur als rationaler Gesetzeshüter gesehen zu werden, sondern als Mensch mit Gefühlen und Schwächen wie jeder andere auch. 

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